Wie früher – obdachlos in Elberfeld

Foto Mahlke – obdachlos in Wuppertal Elberfeld

Früher konnte man die Menschen ohne Arbeit und Bleibe auf der Straße analog fotografieren.

Heute sind sie im Hartz 4 Staat und dem Neoliberalismus für Reiche zurückgekehrt. Sie liegen förmlich auf der Straße als Motive, die nun digital fotografiert werden können (unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte).

Mitten in Elberfeld kann man sie morgens um Zehn finden.

Die soziale Landschaft einer Stadt zeigt sich im öffentlichen Raum des Stadtkerns als Wesensmerkmal durch die Menschen und ihr Tun an diesen Orten. Das ändert sich ständig und ist so als sichtbarer Zeitgeist vorhanden.

Und die soziale Landschaft in Wuppertal Elberfeld spiegelt für mich diese Veränderungen sehr sichtbar wieder. Was vor gut zwanzig Jahren fast abgeschafft war, ist nun wieder da.

Deutschland als Land voller Menschen mit sicherer und gut bezahlter Arbeit und Perspektive wird ersetzt durch die globalisierte Landschaft des wandernden Kapitals, das 2008 in der durch das Kapital selbst herbeigeführten Krise direkt die indirekte Herrschaft übernahm. Die heimlich Herrschenden saßen mit Merkel und Steinbrück am Tisch und beschlossen, daß das Volk für die Spekulationsverluste der Herrschenden aufkommen mußte. Und die Regierenden nickten dazu.

In den USA ist man nun weiter und einer der Herrschenden hat direkt mit einigen seiner Freunde die sonst Regierenden ersetzt. Mal sehen wie das funktioniert.

Ich gebe zu, daß ich mit diesem Foto und diesem Text noch einmal von den schönen Fotos weggegangen bin und mich der anderen Seite zugewandt habe, dem sichtbaren sozialen Leben im Herzen der Stadt.

Ich habe da einen Fehler gemacht, denn eigentlich wollte ich ein schönes Blumenfoto mitten aus Elberfeld zeigen:

Fotos Mahlke – Blumen in Elberfeld

Aber ich habe mich dann umgedreht und war von dem Anblick der sichtbaren Obdachlosigkeit, die eben nicht mehr im Verborgenen ist, so ergriffen aufgrund früherer Erfahrungen, daß ich in meine alten Sehgewohnheiten gerutscht bin und der alte soziale Blick rauskam.

Da muß ich also noch dran arbeiten, damit nur noch der positive Blick vorhanden ist – am besten nicht mehr umdrehen?

Doch ich könnte natürlich auch anders argumentieren und sagen, wie schön, daß man mitten in Elberfeld so sicher und warm auf der Straße schlafen kann.

Es kommt eben darauf an, was man womit vergleicht und was man warum sagt und zeigt.

Und dann wird daraus ein schönes Foto, das voller Farbe ist und zeigt wie man in der Nähe von Blumen schlafen kann …

Schöne neue Welt!

Text 1.1

 

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