Remscheid trägt die rote Laterne

Bundesweit ist Remscheid Schlußlicht.

RTL jeder Cent kommt an - Hoffnung für Remscheid? - Foto: Michael Mahlke

RTL jeder Cent kommt an – Hoffnung für Remscheid? – Foto: Michael Mahlke

So poetisch hat es das Institut der deutschen Wirtschaft im November 2014 in einem bundesweiten Städtevergleich formuliert: „Aktuell trägt Remscheid die rote Laterne, wenn es um die wirtschaftliche Dynamik geht. Gelsenkirchen ist das Schlusslicht beim wirtschaftlichen Niveau. Auch Herne, Oberhausen, Duisburg und Hamm droht beim Standortvergleich die Bedeutungslosigkeit. Außerdem, warnen die Experten der IW Consult, verlieren die betroffenen Städte in Nordrhein-Westfalen den Anschluss an die ökonomische Entwicklung. Die Schere zwischen erfolgreichen und schwachen Regionen öffnet sich dadurch immer weiter.“

Damit aber nicht genug.

Remscheid hat auch noch die schlechteste Arbeitslosenquote bei Jugendlichen bundesweit.

Das ficht aber die offiziellen Statistiken nicht an.

Und so wurde fast zeitgleich von Seiten der Bundesagentur für Arbeit verkündet: „Besonders erfreulich ist, dass die Jugendarbeitslosigkeit den niedrigsten Stand in diesem Jahr erreicht hat.“

Da kommt Freude auf.

Der denkende Leser fragt sich, wie denn nun?

Liegt es daran, daß die Arbeitsagentur die Statistik geändert hat?

Oder liegt es an der unterschiedlichen Betrachtung, einmal kurzfristig, einmal langfristig, einmal im Vergleich zu allen und einmal für sich allein?

Ist eins und eins noch zwei?

Wer weiß!

Aber auch das ist noch nicht alles.

Schon im August habe ich über Studien berichtet, die der Region Remscheid, Solingen und Wuppertal in den nächsten zehn Jahren weitere massive Arbeitsplatzverluste voraussagen.

Und wenn nun verschiedene Institute mit verschiedenen Ansätzen in verschiedenen Untersuchungen zu ähnlichen Schlüssen kommen, dann sollte man doch mal darüber nachdenken – oder?

Zumindest wäre die Frage angebracht, wie sich denn wirtschaftliche Dynamik definiert, weil damit ein Ansatz für die Beurteilung diskutiert werden könnte.

Nun gut!

Ich habe auch auf den Zusammenhang zwischen Zeitarbeit und Arbeitsplatzverlusten hingewiesen. Denn dort ist fast immer Heuern und Feuern angesagt.

So ergibt sich durch aufmerksames Wahrnehmen ein Mosaik, das Trends zeigt.

Da ist es richtig, wenn Politik aktiv wird.

Diese Entwicklungen sind erkennbar, ein neues Wunder durch eine neue Wiedervereinigung gibt es nicht. Die Alternative wäre dann wohl nur ein Krieg, um die Konjunktur anzukurbeln und das will doch wohl keiner.

Also wird es so kommen, wenn nichts wesentliches geschieht.

Dazu gehört dann auch die Frage nach der Arbeitslosigkeit der über 50jährigen.

Diese steigt und steigt aber offiziell sinkt sie immer mehr. Man kommt dahinter, wenn man zwischen Quoten und realen Zahlen unterscheidet.

Besonders erhellend ist dabei der §53a SGB II. Dort steht:

„(2) Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gelten nach Ablauf dieses Zeitraums für die Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht als arbeitslos.“

Auf gut Deutsch wird per Gesetz beschlossen, daß ältere Arbeitslose nicht mehr arbeitslos sind.

So macht man dann eben eine Statistik nach eigenen Vorstellungen.

Was kann man nun tun?

Das Anerkennen der Realität ist die Grundlage von Veränderung.

Das wäre der erste Schritt.

Ob das gelingt?

Text 1.1

Nachtrag:

Die CDU hat dieses Thema im Februar 2015 noch einmal aufgegriffen.

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