Pina Bausch Backstage – Fotoausstellung in Solingen

AUSSTELLUNGSDAUER
18.09. – 26.10.2014 (Theaterfoyer oben)

AUSSTELLUNG
Vor 40 Jahren – zur Spielzeit 1973/74 – übernahm die Solingerin Pina Bausch (1940-2009) die Tanzabteilung der Wuppertaler Bühnen und löste mit ihren Produktionen bald heftige
Kontroversen aus. Wer klassisches Ballett erwartete, sah sich plötzlich mit einem theatralen Spiel konfrontiert, wobei die Tänzer auch sprachen, sangen, lachten und weinten. Das Publikum war gespalten: Die einen verließen Türe knallend die Vorstellung, die anderen waren hingerissen; in der Presse brach ein Sturm los. Mit ihrer Gruppe emanzipierte Pina Bausch den Tanz und machte aus ihm eine eigene, neue Form des Theaters. Dies war eine Revolution, die bald ein weltweites Echo hervorrief und den Tanz international neu definierte.
Ein Zeuge der ersten Stunde war der Filmemacher und Fotograf KH. W. Steckelings. Pina Bausch lud ihn ein, ihre Compagnie bei den Proben und in den Pausen mit der Kamera zu begleiten. Steckelings tat dies mit größter Unauffälligkeit und intimer Empathie:
Die Tänzer nahmen seine Anwesenheit augenscheinlich kaum wahr; nichts an seinen Aufnahmen wirkt irgendwie gestellt oder gekünstelt. Der Betrachter fühlt sich direkt hineinversetzt in den künstlerischen Prozess jener Anfangsjahre, als Pina Bausch und ihre Gruppe neue tänzerische Ausdrucksformen entwickelten. Mehr noch: Steckelings hatte seinerseits den Blick des Choreografen, der in den zufälligen Konstellationen der Übungsarbeit das Bild zu sehen vermochte. So sind seine Fotos mehr als nur Dokumente aus der Anfangszeit von Pina Bausch, sondern Werke von eigenem künstlerischem Rang – eine Entdeckung!
Im Rahmen einer Ausstellung zeigen wir 70 seiner Exponate im THEATER UND KONZERTHAUS SOLINGEN. Zu sehen sind dabei auch Bilder, die nicht im Buch „Pina Bausch backstage“ erschienen.

Gehen Sie mit uns auf diese Entdeckungsreise.

VORWORT VON SALOMON BAUSCH
ZUM BUCH «BACKSTAGE» (NIMBUS KUNST UND BÜCHER, 2014)
Manche Schätze werden lange gesucht und mit Mühe gehoben. Bei anderen helfen Glück und Zufall, und sie fallen einem geradezu vor die Füße. Meine Begegnung mit KH. W. Steckelings zähle ich zu den besonders glücklichen Zufällen. Eigentlich ist er renommiert als Sammler und ausgewiesener Kenner der Vor- und Frühgeschichte von Fotografie und Film, aber zeitlebens hat er auch selbst mit der Kamera gearbeitet. Anfang 2014 durfte ich ihn in seinem Wuppertaler Zuhause kennenlernen und wußte zu diesem Zeitpunkt erst in groben Zügen, welchen Schatz er in seinem Archiv hütete.
Mehr durch einen Zufall war wieder ans Tageslicht gekommen, daß er in den Jahren 1974 und 1975 während der Proben des Tanztheaters Wuppertal fotografiert hatte, in Pina Bauschs Anfangszeit als dessen Leiterin. Einige Fotografien wurden in frühen Programmheften publiziert, später waren sie vergessen, und auch der Fotograf selbst maß ihnen keine besondere Bedeutung zu. 1 ’200 Bilder, die meisten davon nie abgezogen, sind nun wiederentdeckt worden. Ein Glücksfall, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Aus dieser Epoche ihrer Arbeit hat das Pina Bausch-Archiv, das ihr künstlerisches Erbe in die Zukunft trägt, nur wenige Bildzeugnisse in seiner Sammlung.
Mit seinen Fotografien zeigt Steckelings auf der einen Seite eine verschwundene Welt: Der alte Ballettsaal des Wuppertaler Opernhauses hat mit der Sanierung 2007 aufgehört zu existieren. Auch
die meisten Stücke, an denen Choreografin und Tänzer arbeiten, sind schon lange nicht mehr im Repertoire der Compagnie und harren ihrer Wiederentdeckung…

Wer nicht so lange warten will, kann die Ausstellung aktuell noch in Haan sehen.

 

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