Nun sind die Löwen los

Das Wahrnehmen der Wirklichkeit bietet bei der Frage der Remscheider Löwenparade interessante Aspekte. Die Verantwortlichen ignorieren die historischen Umstände des Nazidenkmals völlig.

Jetzt kann man sich Überschriften ausdenken. Wie wäre es mit „Remscheid bekennt sich vollständig im Rahmen der 2. Löwenparade zum Nationalsozialismus“. Das wäre eine Möglichkeit.

Oder wie wäre es mit „Remscheid hat den Nationalsozialismus völlig überwunden und zeigt dies mit einer Neuinterpretation des Remscheider Nazidenkmals“.

Beide Überschriften würden weder den Kern noch das Bewusstsein wirklich wiedergeben. In meinen Augen handelt es sich eher um eine hier vorhandene ahistorische Betrachtungsweise.

Da wäre die Überschrift wohl eher „Remscheid zeigt wie Menschen ohne Geschichte zusammenleben.“ Dann kann man alles nehmen und mischen.

Welche Rolle spielt also die Geschichte?

„Wer wissen will, wohin er geht, muß wissen, woher er kommt“. Das wird Carlo Schmid zugeschrieben, ausgerechnet ein Sozialdemokrat.

Und nun?

Man kann es nicht ändern und sich über die niveaulose Einfallslosigkeit beim Umgang mit diesem Thema nur wundern.

An dieser Stelle möchte ich aber doch noch auf die  Darstellung im Werbeblatt Bergisches Wochenende hinweisen, einer „rga-Tochter“:

„162 Löwen … ziehen mit großem Gefolge hinauf…, um sich vor dem Rathaus und zu Füßen des auf dem Sockel thronenden Remscheider Löwen-Symbol zu platzieren.“

Diese Art von Textbeitrag passt sehr gut zu derselben Berichterstattung im rga von 1939.

Wie schrieben die Bergischen Blätter?

„Dieser „bergische“ Löwe war als Monument des Hitler-Deutschlands gedacht, das „die Bewohner unserer Stadt allezeit an die Großtaten des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler“ erinnern sollte (RGA vom 11. März 1939).“

Es scheint sich wenig geändert zu haben. Und so zu schreiben – obwohl die Problematik bekannt ist – halte ich für verantwortungslose Schreiberei.

Aber interessanterweise habe ich bisher auch keine öffentlichen Äußerungen von den Vertretern des Judentums oder des VVN oder anderer Verbände und Religionen gehört.

Von den politischen Parteien ganz zu schweigen. Daher gehe ich davon aus, daß die schweigende Mehrheit recht hat und wir Nazidenkmäler heute einfach so nutzen sollten, weil ihre historische Bedeutung keine Rolle mehr spielt.

Das gilt aber dann auch für andere Symbole anderer Zeiten und Kulturen.

Es bleibt dies alles als Chance der Begegnung zu betrachten, um eine schöne Zeit zu verleben.

Die Begegnungen sollte man sich nicht vermiesen lassen durch den nicht sachgerechten Umgang mit dem Thema durch die Verantwortlichen.

So leben wir diese Tage und haben einiges über Geschichtsbewusstsein und Verantwortung gelernt.

Text 1.1

 

4 thoughts on “Nun sind die Löwen los

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