Hallo Bodo

Hallo Bodo,

als du mit 18 Jahren kurz vor dem Abitur von der Müngstener Brücke gesprungen bist, war dein Leben zu Ende. Und es war auch ein Stück von meinem Leben vorbei, weil ich mit dir nach dem Abitur die Welt entdecken wollte.

Du bist auf die Brücke gegangen und dann am rechten Pfeiler runtergesprungen.

Hier an dieser Stelle waren viele Worte über unser Schulsystem, feige Lehrer, die heute noch so tun als ob und vieles mehr. Es – die Welt – hat sich nicht geändert Bodo. Du hast nichts verpaßt außer der Hoffnung, daß sich etwas ändert und der gemeinsamen Zeit, die ich vermisse, weil ich noch lebe.

Das ist fast 35 Jahre her. Viele Menschen sind seitdem gestorben, wir alle sterben. Aber ich konnte dich nie vergessen.

Nun stand ich vor drei Tagen an diesem Ort und blickte hinauf.

Es war wie gestern.

„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie. Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien habe – kommt erst später.“

Diese Worte sind von Albert Camus.

Manchmal zeigt eben ein Foto nicht das, was geschehen ist sondern ist ein Schlüssel zu den Erinnerungen, die im Kopf mit Bildern existieren und nach aussen hin nur mit Worten gemalt werden können, damit ein Bild im Kopf entsteht.

Michael

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