Der Remscheider Elendsturm zwischen Armenhaus und Freudenhaus

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Der Remscheider Elendsturm heißt inoffiziell in Fachkreisen so, weil dort die Verarmungsregel von Hartz 4 angewandt wird:

Wer fleissig war, gespart hat und arbeitslos wird, wird so lange finanziell ausgeblutet bis er arm ist. Die Prozeduren werden in diesem Turm abgewickelt.

Es gibt gute Argumente für einen offenen Altersrassismus: Wer älter ist, gearbeitet hat und keine Kinder mehr im Haus hat, der wird systematisch per Gesetz hier ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

Aber der Elendsturm ist zugleich auch ein Freudenhaus, weil Menschen, die eher viele Kinder machen und viele Probleme mit der Arbeit und der Sprache bzw. Qualifikation haben, dafür dann für die Menschenproduktion finanziell proportional zunehmend attraktiv entschädigt werden.

Daher hat dieser Turm zwei Gesichter und ist die architektonische Fratze der politisch gewollten Verarmung und Verelendung der Fleissigen.

Aus künstlerischer Perspektive habe ich ihn auf den Kopf gestellt, weil man hier seine Taschen leer machen muß, bevor man was erhält.

So symbolisiert dieser Turm die Einführung der neuen Armut für die Fleissigen.

Deutsche Wirklichkeit in einem Bild mitten aus Remscheid.

Aktuell gibt es ja eine Kampagne mit einem Plakat „Wir vermitteln Angst – ihre Jobcenter“. Wenn man dies assoziiert, dann wäre dies auch ein Angstturm. Das Thema Angst ist ja schon dokumentiert.

So ist Kunst hier das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der vorgefundenen architektonischen und sozialen Wirklichkeit.

 

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